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Pressespiegel

WDR "Aktuelle Stunde" vom 25. August 2004 zum Thema "WURFATTACKEN GEGEN KANZLER SCHRÖDER""

NRZ, 07.01.2000
AGGRESSIONEN DIE SPITZE NEHMEN

BEDBURG-HAU. Seit 20 Jahren setzt sich Andreas Dutschmann mit dem Thema Gewalt auseinander. Was den Leiter der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie in den rheinischen Kliniken besonders interessiert: Modelle, die zur Konfliktbewältigung eingesetzt werden können. Entstanden ist ein dreibändiges Handbuch, das er gestern vorstellte.

"Das Thema ist zur Zeit ja sehr in Mode", ist sich Dutschmann bewusst. Er kann allerdings nicht bestätigen, "Dass die Gewalt so angestiegen ist, wie immer wieder behauptet wird". Dutschmann geht viel mehr davon aus, dass es immer schon Kinder und Jugendliche gegeben habe, denen mit den herkömmlichen Erziehungsmitteln nicht beizukommen sei. "Diese Zahl liegt bei drei Prozent." Und bei ihnen helfe nur "Konsequenz und Kontrolle".
Das Aggressions - Bewältigungs - Programm (ABPro) umfasst drei verschiedene Aggressions-Typen. "Ich habe sie in die Kategorien A bis C eingeteilt." Während der A-Typ emotional relativ unbeteiligt durch sein Verhalten etwas ganz Bestimmtes erreichen wolle, seien beim B-Typen die gefühlsmäßigen Anteile schon ausgeprägter. "Der C-Typ ist nicht mehr Herr seiner selbst, verliert die Kontrolle über seine Gefühle." Wichtig sei nun der adäquate Umgang mit jedem dieser verschiedenen Typen. Um einer aggressiven Situation die Spitze zu nehmen, könne zum Beispiel beim A-Typen Berührung – körperliche Nähe – wichtiges Hilfsmittel sein. "Aber beim C-Typen kann das ganz anders aussehen, hier kann Berührung genau den gegenteiligen Effekt haben."
Dutschmann macht klar, dass es auch darum gehe, eigene Verhaltensweisen zu erkennen, sie rational zu erfassen und zu ändern. "Selbst Erwachsenenmüssen lernen, mit ihren Signalen umzugehen, ihre Stimmungen kognitiv beurteilen." Auch Lehrern empfiehlt er, sich fortzubilden. "Denn jede Aktion löst eine Reaktion aus, hier gilt es gerade in Schulen, den Kreis zu durchbrechen." Nur so könne Kindern die sozial erwünschte Verhaltensweise näher gebracht werden. Informationen gibt es unter 02821-813401 oder unter der E-Mail Adresse: ADutschmann@t-online.de

BILDZEITUNG, 24.02.2000
WAS TUN, WENN IHR KIND AGGRESSIV WIRD

Experte schrieb praktischen Ratgeber
BEDBURG-HAU.
"Alter W…er!" Frech grinst der Filius (10) seinen Papa an. Was in der Regel folgt, ist eine dicke Standpauke, vielleicht sogar eine Tracht Prügel…
"Falsch!" sagt der Psychologe und Psychotherapeut Dr. Andreas Dutschmann (55) von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Rheinischen Kliniken. Sein Tipp: "Bleiben Sie ruhig. Entschärfen Sie die Situation. Erwidern Sie zum Beispiel: "Na, so alt bin ich doch gar nicht."
Sein Aggressions - Bewältigungs - Programm (ABPro) – ein praktischer Ratgeber für Eltern, Lehrer, Therapeuten – unterscheidet drei Aggressions-Typen.
Typ A: der coole Typ. Er provoziert bewusst, um Schaden zuzufügen. Dutschmann: "In so einer Situation gilt: Behalten Sie die Kontrolle. Wer sich aufregt, hat verloren." Bei einem deftigen Ehekrach hingegen ist "Coolness" fehl am Platz, kann im Gegenteil die Aggression des Partners eher noch steigern. Dutschmann: "Hier komme ich mit ehrlich gezeigtem Gefühl, dem Zeichen für Dialogbereitschaft, weiter."
Typ B: der Emotionstyp. Beispiel: Ein Kind kommt mit einem schlechten Zeugnis aus der Schule. Es schreit, ist völlig verzweifelt. Dutschmann: "Beruhigend einwirken! Ein Kind in diesem erregten Zustand zur Rede zu stellen, bringt gar nichts." Später das Kind bei der Suche nach einer Problemlösung unterstützen.
Typ C: der Erregungstyp. Aggressives Verhalten, das in Gewalt eskaliert. Der Experte: "Passiert in den seltensten Fällen. Wenn, dann bitte nicht den Helden spielen! Wenn möglich, den Jugendlichen allein lassen, isolieren und professionelle Hilfe einholen."
Der psychologische Ratgeber von Andreas Dutschmann: "Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen" dgvt-Verlag, Tübingen (drei Bände, je 25 Mark, alle zusammen 68 Mark) ist jetzt erschienen.

RHEINISCHE POST-Online 29.06.2004

LÖSUNGSSTRATEGIEN FÜR KONFLIKTE AM ARBEITSPLATZ

Wie Sie lernen können, Konflikte zu managen

Autor: Beate Müller

Konflikte richtig zu managen ist sowohl im Privat- als auch im Berufsleben eine wichtige Fähigkeit. Foto: AP

Konflikte am Arbeitsplatz hemmen die Produktivität und sorgen dafür, dass viele Berufstätige morgens schon schlecht gelaunt das Haus verlassen. Viele Unstimmigkeiten ließen sich dabei vermeiden, wenn sie gründlich analysiert und offen angesprochen würden. Wie Sie selbst lernen können, Konflikte offen anzugehen, erklären wir Ihnen im Folgenden.

Anlässe zu Streitigkeiten und Missstimmungen in der Arbeitswelt gibt es genug, seien es nun Probleme zwischen den Mitarbeitern, zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat oder zwischen Lieferanten und Kunden. Auch Betriebsfusionen bergen jede Menge Sprengstoff. Meist handele es sich um Kompetenz- oder Hierarchiekonflikte, Zuständigkeitskonflikte oder persönliche Konflikte, stellt der Psychotherapeut und Diplom-Psychologe Andreas Dutschmann vom Arbeitskreis Konfliktpsychologie klar. Rein sachlich seien Konflikte selten ."Aber es wird oft inhaltlich kaschiert", sagt Dutschmann.

Jutta Kreyenberg erklärt in ihrem "Handbuch Konflikt-Management", dass es zunächst gilt, Konflikte zu erkennen und zu analysieren. Ein Konflikt muss nicht immer offen ausgetragen werden, im Gegensatz zum Streit, der meist kurz und heftig ist, kann ein Konflikt auch lange unterschwellig schwelen. Zum Ausdruck kommt er dann durch abfällige und verletzende Verhaltensweisen wie ironische Bemerkungen, Ignorieren, distanzierte Höflichkeit oder Auflaufen lassen. Auch ein Boykott zum Beispiel durch absichtliches Vorenthalten von Informationen ist nicht selten. "Der Arbeitsablauf wird dadurch oft erheblich gestört", sagt Dutschmann. Für Unternehmen ist der wirtschaftliche und finanzielle Schaden durch Konflikte enorm.

Handeln Sie nicht im Affekt!

"Auf alle Fälle cool bleiben", wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, rät Dutschmann, "nie in Erregung etwas tun". Wenn Sie zum Beispiel in einer Konferenz grob angefahren werden, bemühen Sie sich, nicht sofort zurückzublaffen. Klappen Sie erst Ihr Laptop auf, atmen Sie tief durch und fragen Sie dann: "Wie meinen Sie das?". Eine empfehlenswerte Zeitspanne gibt es nicht, doch "bei tiefgehenden Konflikten kann man ruhig eine Woche warten", bis man das Thema noch einmal anschneidet, so Dutschmann.

Wut ist mit Abstand das Gefühl, das in Konfliktsituationen bei den meisten Personen vorherrscht. Wer mit seiner Wut umgehen kann und auch mit der von anderen, hat schon halb gewonnen. Denn wer im Affekt auf äußere Auslöser reagiert, wird manipulierbar. Zunächst solle man sich darüber klar werden, welche Situationen es sind, die einen aus der Fassung bringen, rät Kreyenberg. Der Grundgedanke lautet, dass einzig man selbst für die eigenen Gefühle verantwortlich ist, Situationen und Menschen geben lediglich den Anlass. Jemand wird nur ärgerlich bei Unpünktlichkeit, wenn er selbst ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hat. Wer die Bedürfnisse hinter dem Ärger erkannt hat, kann Sie formulieren, am besten in Ich-Botschaften, denn Forderungen verschärfen Konflikte gewöhnlich.

Lassen Sie andere Ihre Wut erst einmal austoben

Wenn andere wütend sind, warten Sie am besten erst einmal ab, bis derjenige sich beruhigt hat, reagieren Sie nicht sofort. Entschuldigen Sie sich bei Punkten, wo Ihnen die Kritik gerechtfertigt vorkommt. Sachverhalte, die Sie anders sehen, stellen Sie am besten erst einmal zurück. Bemühen Sie sich auch, die Dinge einmal aus der Sicht des anderen zu sehen. "Kommunikation ist das Ein und Alles", so Dutschmann, aber bitte konstruktive. Vermeiden Sie Pauschalisierungen und "Killerphrasen", wie Kreyenberg sie nennt, wie zum Beispiel: "Sie als intelligenter Mensch", "So machen wir das hier nicht", "Das geht nicht" oder "Wie lange sind Sie eigentlich schon bei uns?".

Wenn zwei Streitparteien nicht weiterkommen, gibt es noch die Möglichkeit eine Dritte zur Schlichtung einzuschalten. Das kann bei Sachthemen ein Supervisor sein oder bei schwerwiegenderen Konflikten auch ein Mediator. Dieser versucht zwischen beiden Parteien eine "Win-Win-Situation" herbeizuführen, die den größtmöglichen Nutzen bringt und in der alle Beteiligten sich gerecht behandelt fühlen. Aber Achtung: "Mediatoren gibt es en masse", warnt Dutschmann. Darunter seien viele schwarze Schafe. Etliche Sekten tummelten sich auch auf diesem Markt. Wichtig sei, dass der Mediator eine psychologische oder sozialpädagogische Qualifikation habe und einem anerkannten Berufsverband angehöre, wie beispielsweise dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

RHEINISCHE POST, 09.10.2002

HKS: EIN LEBEN WIE IM D-ZUG

Informationsabend über hyperaktive Kinder
KLEVE. "Sitz doch mal still. Schrei nicht so laut." Ab und zu hört jedes Kind solche Ermahnungen genervter Eltern. Doch was, wenn das Gezappel immer schlimmer, das Kind immer unkontrollierbarer wird? "Ständige Unruhe, Impulsivität und die Unfähigkeit, sich konzentrieren zu können, sind Anzeichen für das HKS", erklärt Dr. Andreas Dutschmann, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik in Bedburg-Hau.
HKS: Diese drei Buchstaben stehen für Hyperkinetisches Syndrom – eine Krankheit, die nicht nur die betroffenen Kinder, sondern auch Eltern und Lehrer an den Rand des Wahnsinns treiben kann. Deshalb moderierte Mick Michels von der "Interessensgemeinschaft hyperkinetisches und aufmerksamkeitsgestörtes Kind unterer Niederrhein" einen Informationsabend für Eltern und Pädagogen.
Medizinisches Problem "HKS und ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) sind keine Folge von Erziehungsfehlern, sondern ein medizinisches Problem", betonte der Psychologe. Doch auch das liegt nicht immer vor, wenn das Kind sich regelmäßig von seinen Hausaufgaben ablenken lässt. "Für Unkonzentriertheit kann es eine Menge andere Gründe geben", so der Experte.
Leidet ein Kind unter HKS, sind Eltern und Lehrer häufig ratlos. Daher gilt es, auch sie mir in die Therapie einzubeziehen: "Als Erwachsener muss man sich immer wieder zwingen, die guten Seiten des Kindes zu sehen – auch wenn es einen gerade bis zur Weißglut gereizt hat", sagt Anne Jennen. Als Heilpädagogin in der Bedburg-Hauer Klinik hat sie viel Erfahrung mit hyperkinetischen Kindern und weiß: "Am wichtigsten ist, auch minimale Verbesserungen zu erkennen und loben." Denn die Kinder leiden unter einem komplett negativen Selbstwertgefühl, das bis zu Selbstmordgedanken reicht.
Nadja Ambrosius kennt die ganze Leidensgeschichte aus eigener Erfahrung. Bei Sohn Marvin wurde HKS festgestellt, bevor er in die Schule kam. Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt, verschiedenen Therapien und durch das Medikament Ritalin geht es ihm heute besser.
Doch auch am Retalin oder ähnlichen Mitteln scheiden sich die Geister. "Es macht nicht süchtig", widerlegt Dutschmann eine alte Behauptung. "Neben Physio-, Ergo- und Motopädie sind Medikamente häufig unersetzlich". Nadja Ambrosius jedenfalls ist dankbar für diese Behandlungsmöglichkeit: "Früher konnte Marvin nur ein Leben wie im D-Zug führen. Jetzt ist es manchmal schon die Bimmelbahn."
Die Interessensgemeinschaft trifft sich jeden ersten Montag im Monat in der Begegnungsstätte Südstadt, Triftstr. 145.

KLEVER WOCHENBLATT, 27.02.2002
WENN SCHULE ODER ARBEIT ZUR QUAL WIRD

Dr. Andreas Dutschmann, Psychologe, bietet Mobbingopfern Hilfe nicht nur per Internet
BEDBURG-HAU. Mobbingopfer leben in einer schwierigen Situation. Dr. Andreas Dutschmann, Psychologe an der Kinder- und Jugendpsychiatrie, hat sich mit diesem Thema eingehend beschäftigt. Dass nicht nur Erwachsene, sondern schon Kinder Mobbingopfer werden können, hat er in seiner Praxis mehr als nur einmal erfahren.
"Zu mir kommen natürlich auch Kinder, die in der Schule unter ihren Mitschülern zu leiden haben", erzählt er. Ständige Sticheleien, verbale Angriffe aber auch ganz handfest Attacken können die Folge sein. "Die Kinder leiden häufig an Depressionen und kommen dann zu mir in die Ambulanz", so Dutschmann. "Jeder kann Opfer werden. Ganz typisch ist, dass diese Kinder aus dem gewöhnlichen "normalen" Rahmen fallen und meist keine Verbündeten oder Freunde haben." Er nennt als Beispiel Hochbegabte. In einer ähnlich strukturierten Gruppe fallen sie nicht auf, werden somit auch nicht zum Opfer. "In einer normalen Schulklasse kann das anders aussehen, da können diese Kinder durchaus gemobbt werden."
In das Behandlungskonzept gehört das Nachdenken über sich selbst, das Zugehen auf andere und die räumliche und zeitliche Entzerrung der Situation. "Da kommt manchmal die Kamera zum Einsatz, mit deren Hilfe Kinder erkennen können, wie sie am besten Kontakt zu anderen aufnehmen können." Oft empfiehlt der Experte auch einen Klassenwechsel. "Es ist meist sehr schwer, die vorhandene Situation zu verbessern, in einer neuen Umgebung fällt das sehr viel leichter", so Dutschmann.
Mit dem Thema Mobbing hat sich Andreas Dutschmann aber auch im Zusammenhang mit Erwachsenen beschäftigt. "Ich habe eine Internetseite gestaltet, über die es Betroffenen möglich ist, sich zu informieren, Kontakt aufzunehmen und entsprechend geschulte Psychologen in ihrer Umgebung zu finden." Wie bei Kindern sei auch bei Erwachsenen die Täter-Opfer-Grenze oft eine fließende. Auch hier empfiehlt Dutschmann eine "Auszeit", die selbstkritische Reflektion des eigenen Verhaltens und die Erkenntnis, dass Schuldzuweisungen nicht weiter helfen. "Das ist so wie mit einer Grippe, hab´ ich die einmal, dann fragt niemand nach dem Schuldigen, ich muss damit fertig werden", verdeutlicht Dutschmann das Prinzip. "Man muss die Sache einfach selbst in die Hand nehmen, damit es aufhört."
Wer an weiteren Informationen interessiert ist, kann sich unter www.drdutschmann.de schlau machen. Außerdem besteht die Möglichkeit, per E-Mail Kontakt zu Andreas Dutschmann aufzunehmen.

Link zum Originalartikel: http://www.ifi-ggmbh.de/Downloads/Aggression02.pdf

VERHALTENSSTEUERUNG BEI AGGRESSIVEN KINDERN UND JUGENDLICHEN

Wenn es "klick-surr" macht

Wie regiert man angemessen auf Aggressionen von Kindern und Jugendlichen? Tanja Michel hat zu diesem Thema ein Tagesseminar zum "Aggressions-Bewältigungs-Programm" (ABPro) besucht.



Als ich am Morgen im Tagungshotel im Westerstede eintraf, wurde ich bereits von meinem lieben Kollegen von der KISTE, Manfred Reichel, empfangen. Er meinte, er hätte mir einen Platz frei gehalten! Echt toll, so einen netten Kollegen zu haben, dachte ich in diesem Moment noch. Beim Betreten des Tagungssaales teilte mir Manfred dann jedoch mit, dass der freigehaltene Platz sich in der ersten Reihe befand!

Herr Dr. Dutschmann, der Seminarleiter, teilte uns dann im Rahmen einiger einleitender Worte mit, dass die Teilnehmer in der ersten Reihe damit rechnen müssten, aktiv in den Vortrag mit eingezogen zu werden. Na, prima, dachte ich und spürte, wie sich langsam Aggressionen in mir regten!

Und damit wären wir dann beim eigentlichen Thema dieser Fortbildung angelangt. Dr. Dutschmann ist Leiter der Kinder- und Jugendspychiatrie des Langschaftsverbandes Rheinland in Kleve. Er hat ein Programm entwickelt, das der Verhaltenssteuerung bei aggressiven Kindern und Jugendlichen dienen soll.

Mit Hilfe verschiedener Medien versuchte Herr Dr. Dutschmann uns dieses Programm zu vermitteln. Das Ganze hatte den Charakter einer etwas chaotischen "One-Man-Show". Nachdem ich nun, in Anbetracht des vor mir agierenden Energiebündels, langsam meine innerliche Passivität und Schläfrigkeit aufgab (der nette Kollege hatte ja schon gute Vorarbeit geleistet), begann ich, das System in dem scheinbaren Chaos zu verstehen. Mein Interesse war geweckt.

Fotokommentar:Der angemessene Umgang mit Aggressionen und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen ist eine harte Nuss. Das "Aggressions-Bewältigungs-Programm" von Dr. Dutschmann soll sie knacken.

Inzwischen war Herr Dutschmann dabei, die Heuristik 3 (Gru-Be) zu erklären. Heuristiken sind Hilfsmittel zur Darstellung von Zusammenhangen und zum Finden von Lösungsansätzen. Heuristik 3 war nun eine von sechs, die uns durch diesen Tag begleiten würden. Dass Herr Dutschmann nun die Heuristik 3 erklärte, lässt den Schluss zu, dass ich die ersten beiden verpennt hätte. Aber weit gefehlt! Er war damit in das Thema eingestiegen, und es wird dadurch lediglich die etwas außergewöhnliche Vortragsart deutlich.

Also zu Heuristik 3: Dutschmann geht davon aus, dass jeder Mensch Grundbedürfnisse (GB) hat (das ist völlig neu). Um die Motive oder Beweggründe eines Verhaltens zu verstehen, ist es notwendig zu erkennen, welches Bedürfnis ein Mensch zu befriedigen versucht, bzw. welches frustriert wurde. Bei Dutschmann sind diese Bedürfnisse in vier Gruppen eingeteilt:

GB 1: Lustgewinn – Unlust vermeiden
Es soll zum Beispiel Jugendliche geben, die einfach Spaß daran haben, einen Betreuer zu ärgern, oder sich damit ihre Langeweile vertreiben.

GB 2: Verstehen – Kontrollieren – Bewirken
Beispiel: ein Jugendlicher übt gegenüber einem anderen Gewalt aus und versucht dadurch, diesen zu kontrollieren. Selbst Dutschmann hat das Bedürfnis, von den Seminarteilnehmern verstanden zu werden.

GB 3: Bindung – Zugehörigkeit – Liebe
Was macht ein Jugendlicher nicht alles, um zu einer Clique zu gehören (zum Beispiel Mutproben).

GB 4: Selbstwert
Ein Mensch erhofft Anerkennung für eine erbrachte Leistung zu bekommen. Sein Selbstwertgefühl steigt.

Motiv für ein Verhalten können eines oder aber auch mehrere dieser Grundbedürfnisse sein. Versteht man die Beweggründe eines Verhaltens, ist man eher in der Lage, angemessen zu reagieren bzw. mit dem Klienten alternative Verhaltensweisen zuu erarbeiten.
Die Grundbedürfnisse sind bei jedem Menschen gleiche. Allerdings ist die Art und Weise, mit der versucht wird, ein Ziel zu erreichen, oft sehr unterschiedlich. Während zum Beispiel der Eine verbal versucht, eine Situation zu kontrollieren, nutzt ein Anderer das Faustrecht, um Kontrolle zu erlangen.
In der 2. Heuristik, die Dutschmann uns erklärt, geht es um Reizverarbeitung in unserem Gehirn: Heuristik 1 RE-MU (Reaktionsmuster). Es gibt 3 Wege der Reizverarbeitung:

1. Oberer Weg (OW): Der Reiz kommt an und wird in der Großhirnrinde analysiert und verarbeitet. Wir reagieren durchdacht, geplant, gezielt und dosiert. Dieser Weg ist der langsamste. Er verspricht aber gerade in schwierigen Situationen den größten Erfolg.
2. Unterer Weg (UW): Dieser Weg geht vorwiegend übers Zwischenhirn und ist von großer Emotionalität geprägt. Die Reaktion erfolgt schnell, heftig und unüberlegt.
3. KLICK-SURR: Auf einen Reiz oder eine Situation – KLICK – reagiert man automatisch, unreflektiert mit einem mehr oder weniger komplexem Programm – SURR. Dieses dient zunächst der Entlastung des Gehirns. Wenn jede Information ständig völlig neu verarbeitet werden müsste, würde unser Computer schnell "Overload" melden. Keiner von uns denkt wohl noch über die komplexen Abläufe beim Treppensteigen nach. Diese automatisierten Reaktionsmuster haben jedoch auch ihre Schattenseite. Wer schon mal eine nicht genormte Treppe "hochgestolpert" ist, wird dieses nachvollziehen können.

Vorsicht bei "Klick-Surr"

Oder: Ein kleines Mädchen steht heulend auf dem Schulhof (KLICK). Ein Lehrer kommt auf es zu und tröstet es (SURR). Das "Arme-Mädchen-Programm" läuft ab. Das arme Mädchen wurde von einem größeren Jungen geschlagen. Dieser bekommt "selbstverständlich" erst einmal ordentlich Ärger. Im späteren Gespräch wird deutlich, dass das Mädchen den Jungen schon seit längerer Zeit ärgert und es an diesem Tag seine Mutter heftigst beleidigt hatte (Heuristik 3: Das Mädchen hatte Spaß daran, den Jungen zu ärgern und kontrolliert ihn auf diese Weise). Der Junge wusste sich nicht anders zu verteidigen und schlug zu. Nun wurde er wiederum von dem Lehrer getadelt, während das Mädchen Liebe und Zuwendung bekommt. Hier wird deutlich, welche Gefahr in solchen "Klick-Surr"-Reaktionen verborgen liegt. Man stelle sich nur mal vor, Vergleichbaren ereignet sich in einer unserer Einrichtungen, und es handelt sich nicht um einen kleinen Jungen, sondern um einen gewaltbereiten Jugendlichen.Der gute Herr Dutschmann hatte inzwischen schon etliche Sprünge zwischen den einzelnen Heuristiken hinter sich und bezog dabei auch die Heuristiken 4 bis 6 mit ein. Diese werde ich jedoch in diesem Text nicht näher erläutern, da das den Rahmen sprengen würde.

Im Folgenden beschreibe ich Heuristik 2 ErNi: diese befasst sich nun endlich direkter mit dem Thema Aggressionen und beschreibt 3 verschieden Erregungstypen.

Typ A: Der Instrumentelle Typ
Dieser Mensch handelt durchdacht und geplant. Er ist sich der Folgen seinen Handelns bewusst und kann sein Verhalten kontrollieren (OW Heuristik 1). Unter diesem Erregungstyp ordnet Dutschmann auch die so genannte "coole Gewalt" ein. Darunter ist zu verstehen, dass sich die betreffende Person der Risiken und Möglichkeiten seines Handelns bewusst ist. Problematische Verhaltensweisen treten deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit dort auf, wo er mit einem Erfolgserlebnis rechnen kann:
Erlangung von Macht oder Vorteilen;
Erzeugung von "Action";
Einschüchterung des potentiellen Gewaltopfers.
Daher ist ein Hauptkriterium für den Umgang mit "cooler Gewalt" der Entzug der Erfolgserlebnisse. Die Kommunikation sollte sachlich, ruhig und emotionslos geführt werden. "Coole Gewalttäter" brauchen selten Verständnis, Empathie und Hilfe, sondern eher eine klare Linie und sozialen Druck.

Typ B: Der Emotionale Typ
Hier werden die Gefühle zur leitenden Instanz des Handelns/Verhaltens. Das Verhalten wird durch mehr oder weniger starke Erregung hervorgerufen oder davon abgeleitet. Es ist eher reaktiv, ausdrucksorientiert und ungeplant (UW). Die Wahrnehmung kann verzerrt, die Denkfähigkeit eingeschränkt sein. Die betreffende Person ist dabei aber ansprechbar und erreichbar. Bei diesem Erregungstyp steht die Deeskalation im Vordergrund. Ruhiges, durchdachtes Handeln und einfache klare Sätze sind hier gefragt. Erst wenn die betreffende Person sich beruhigt hat, kann eine Konfliktlösung erarbeitet werden.

Typ C: Der Erregungstyp
Das Verhalten ist völlig unbeherrscht, ausschließlich erregungsgesteuert. Der Betroffene gefährdet sich und Andere (UW). Diesem Erregungstyp ordnet Dutschmann die "heiße Gewalt" zu. Die wiederum kann in drei Phasen eingeteilt werden:
Phase 1: Eskalation: Beeinflussung noch möglich
Phase 2: Höchste Erregung: Gefahr schwerster Gewalttätigkeit
Phase 3: Deeskalationsphase: Beeinflussung wieder möglich.
Um angemessen reagieren zu können, ist es notwendig, möglichst genau und rechtzeitig einschätzen zu können, in welcher Phase sich die betreffende Person befindet. Grundsätzlich steht bei diesem Erregungstyp die Sicherheit an erster Stelle. Wenn möglich, sollte in jedem Fall die Unterstützung durch Kollegen angefordert werden. In einer solchen Situation den "Helden" spielen zu wollen, geht fast immer schief. Achtung: Die Person ist durch Kommunikation kaum oder gar nicht mehr erreichbar (Phase 2). Selbst gut gemeintes Einreden kann die Situation verschärfen.
Bei körperlich unterlegenen Personen besteht die Möglichkeit, durch gezielte Griffe der Person fest zu halten, bis sich diese wieder beruhigt hat. Dazu ist es jedoch unbedingt notwendig, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Auch ein Kind kann ungeahnte Kräfte entwickeln! Besteht der geringste Zweifel, sollte man von dieser Methode Abstand nehmen. Dann geht es darum, die betreffende Person zu isolieren. Zuschauer sollten zum Schutz und aus "Show"-Gründen entfernt werden (übernimmt möglichst ein Kollege). Gefährliche Gegenstände sollten aus dem Gefahrenraum gebracht werden. Dann heiß es warten, bis die betreffende Person sich beruhigt hat.
In der Deeskalationsphase steht die Entspannung der Situation im Vordergrund. Ruhige, klare Sätze und Möglichkeiten zum Aggressionsabbau/zur Entspannung sind gefragt, zum Beispiel einen Spaziergang machen, Zigarette rauchen (natürlich nur, wer ohnehin raucht). Erst wenn die Person sich beruhigt und stabilisiert hat, kann an Konfliktlösungen und alternativem Verhalten gearbeitet werden.
Für einen angemessen Umgang mit Potentiellen Gewalttätern ist es notwendig, deren Verhalten möglichst gut einschätzen zu können. Im Rahmen des ABPro werden kritische Ereignisse möglichst genau dokumentiert. Mit Hilfe der hier erläuterten Heuristiken werden dann anhand der Dokumentationen die Verhaltensmuster der betreffenden Person analysiert (z.B. welche "Klick-Surrs" laufen ab, welcher Erregungstyp, welche systemischen Faktoren sind von Bedeutung). Im Team werden nun konkrete Handlungsanweisungen für den Ungang mit der betreffenden Person erarbeitet. Mit Hilfe dieses individuellen Handlungskataloges kann angemessener reagiert werden. Dadurch können kritische Situationen vermieden bzw. abgeschwächt werden.
Damit wären wir dann auch am Ende meiner Berichterstattung angelangt. Für mich war der Tag interessant und lehrreich. Wer mehr über das Aggressions-Bewältigungs-Programm wissen möchte, kann sich eine Literaturlist von mir geben lassen oder sich übers Internet informieren: www.drdutschmann.de.

Tanja Michel

KLEVER WOCHENBLATT, 08.12.1999

Das Wochenblatt fragte Psychologe Dr. Andreas Dutschmann
WARUM SIND MÄNNER EINKAUFSMUFFEL?

KREIS KLEVE. Gehen Frauen wirklich lieber Einkaufen als Männer? Die Klever Geschäftsleute sind sich da auf alle Fälle einig: die Weihnachtsgeschenke kauft die Frau. Diplom-Psychologe Dr. Andreas Dutschmann aus Kleve erklärt warum.
Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Frauen lieber einkaufen als Männer. Doch es gibt in der Psychologie Hypothesen, die erklären, warum Männer Einkaufsmuffel sind.
Psychologe und Psychotherapeut Dr. rer. nat. Andreas Dutschmann aus Kleve sieht einen wichtigen Grund in der Struktur der Gesellschaft: "Es gibt immer noch mehr Hausfrauen als Hausmänner. Aufgrund dieser Rolle haben Frauen einfach mehr Zeit zum Einkaufen."
Gibt es bei Frauen eine "Lust am Shopping"? Eine kanadische Wissenschaftlerin hat eine wichtige These aufgestellt, weiß Dr. Dutschmann: "Bei Frauen sollen die Gehirnbereiche für logisches Denken auf der einen Seite und Bildhaftigkeit, Emotionen auf der anderen Seite stärker miteinander verbunden sein als bei Männern. Das führt dazu, dass Frauen Einkaufen eher genießen können als Männer, die das nüchterner sehen." So kommt es vielleicht auch, dass Frauen für die Garderobe des Mannes verantwortlich zeichnen. "Sie haben vielleicht ein ausgeprägteres Gespür für die visuellen Reize, der Mann zieht sich eher zweckmäßig an", mutmaßt er.
Dr. Andreas Dutschmann könnte sich aber auch Ur-Instinkte als Ursache der Kauflust von Frauen vorstellen. "Der Brutpflegeinstinkt ist bei Frauen statistisch gesehen stärker ausgeprägt als bei Männern. Und der beschränkt sich nicht nur auf die Kinder."

KLEVER WOCHENBLATT, 16.02.2000

Jede 3. Straftat im Kreis Kleve wird von Jugendlichen begangen/Suche nach Antworten
Motiv der Schülerbande: Kein Geld für Markenklamotten

KLEVE/RINDERN. "Das Taschengeld reichte nicht für Markenklamotten aus." Das ist das erschreckende Motiv der vierköpfigen Jugendbande aus Rindern, die in der letzten Woche von der Polizei festgenommen wurde.
Beim ersten Einbruch erbeuteten die 15jährigen 5.000 Mark Bargeld und haben dann gemerkt, dass es sich lohnt", erklärt Polizeisprecher Gerd Klamroth.
Leider sind die 15jährigen Diebe keine Ausnahme: Die Zahl der jugendlichen Straftäter steigt Jahr für Jahr an längst wird jede dritte Straftat im Kreis Kleve von Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahren begangen. Übrigens ein bundesweiter Trend. Auch die Kleinsten schrecken vor Diebstahl und Gewalt nicht zurück: Schon 6,4 Prozent aller Verbrechen im Kreis gehen auf das Konto von Kindern zwischen 6 und 14 Jahren. Laut Polizeistatistik nehmen die Verbrechen unter Jugendlichen zu. Diplom-Psychologe Dr. Andreas Dutschmann aus Kleve glaubt das nicht: "Die heutige Jugend ist nicht schlechter als andere Generationen. Schon Platon hat gesagt: "Mit der heutigen Jugend kann man nichts mehr anfangen." Heutzutage wird es nur mehr bemerkt und das ist auch gut so."
Nach Dutschmanns Ansicht neigen 2-3 Prozent einer Altersgruppe zu Verbrechen. Gründe sind vielfältig, aber ausnahmslos im privaten Umfeld der Jugendlichen zu suchen. Der Psychologe hat in seinem Buch "Aggressivität und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen" die Theorie des Ungleichgewichts der vier Grundbedürfnisse entwickelt, deren Gleichgewicht gestört wird. Die vier Grundbedürfnisse:
1. Lustgewinn
2. Etwas bewirken
3. Geborgenheit
4. Selbstwert
Dutschmann folgert: In einer Gruppe, bzw. Bande finden die Jugendlichen Geborgenheit, die ihnen vielleicht zu Hause fehlt. Die Lust wird durch Mutproben wie Einbrüche und Diebstähle gesteigert. Das steigert das Selbstwertgefühl, weil die Anerkennung in der Gruppe zunimmt. Gerade das Grundbedürfnis "etwas zu bewirken" führt häufig dazu, dass jugendliche Einbrecher häufig zu Vandalismus neigen. Polizei-Beobachtungen bestätigen die Analysen des Klever Psychologen.
Das ist die Theorie; die Eltern der 4 Jugendlichen fragen immer noch nach den Motiven ihrer Kinder. "Die Jugendlichen hatte eigene Fernseher, CD-Spieler, Videorecorder und geregeltes Taschengeld. Ausflüge mit der ganzen Familie gab es auch. Also "Warum?", schrieb Brigitte Denner, eine Freundin der betroffenen Familien.

KURIER AM SONNTAG, 09.01.2000
Talk am Sonntag: Gérard Terfloth im Gespräch mit…
Dr. Andreas Dutschmann

Der 55-jährige Klever Diplom-Psychologe arbeitet in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau. Er entwickelte ein Aggressions - Bewältigungs - Programm.
Kurier: Das Thema Gewalt ist so alt wie die Menschheit und hat eine neue Dimension in unserer heutigen Zeit.
Dr. Dutschmann: Das ist korrekt. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Gewalttätigkeiten. Die Berichte von Gewalttaten in aller Welt machen normal fühlende Menschen betroffen. Aufgeschreckt von solchen Berichten werden wir sensibler – im positiven Sinne – intoleranter gegenüber Gewalt. Die Kehrseite der Medaille ist – das ist ein Teil der neuen Dimension – dass gewaltbereite Menschen sich animieren lassen können.
Kurier: Sehen Sie einen Handlungsbedarf?
Dr. Dutschmann: Den hat es immer schon gegeben. Dass man sich der Problematik erst jetzt richtig bewusst wird und man Lösungen fordert, beruht auf der eben angesprochenen Publizität des Problems und der immer wieder geäußerten Behauptung Gewalt würde zunehmen. Die Berichte über spektakuläre Gewalttaten steigen weltweit an. Die Statistiken über die tatsächliche Entwicklung sind aber wenig eindeutig.
Kurier: Welche Erklärungen greifen jetzt?
Dr. Dutschmann: In der Regel kann man davon ausgehen, dass mehrere Umwelt-Bedingungen zusammen kommen, die das Auftreten von Gewalthandlungen begünstigen.
Kurier: Wie sehen Lösungsmöglichkeiten aus?
Dr. Dutschmann: Die Lösungen sind an den jeweiligen Ursachen und Dynamiken zu orientieren. Ein Patentrezept für die Bewältigung aller Aggressionen und Gewalttaten gibt es nicht.
Kurier: Sie haben aber ein Aggressions-Bewältigungs-Programm entwickelt, dass in drei Bänden erschienen ist. Eine Gebrauchsanweisung gegen Gewalt?
Dr. Dutschmann: Ich bin kein Guru und das Programm keine Bibel. Das Programm kann deshalb nur Hilfestellung gewähren für den Umgang mit vielen praktischen Problemen des Alltags.
Kurier: Was ist konkret das Ziel des Programms, das in Buchhandlungen erhältlich ist?
Dr. Dutschmann: Ein wichtiges Ziel ist es, die Komplexität des Problems in einem Ausmaß zu reduzieren, dass man damit umgehen kann, ohne damit die Realität zu vergewaltigen. Allen, die mit Aggressivität und Gewalt konfrontiert sind, soll eine Vielzahl von Bewältigungsstrategien und –techniken zur Verfügung gestellt werde. Dadurch soll die Kompetenz von Einzelpersonen und Teams erhöht werden, mit dem Problem umzugehen.

RHEINISCHE POST, 19.01.2000

RP FRAGT NACH: DAS AGGRESSIONS- BEWÄLTIGUNGS- PROGRAMM von Dr. Andreas Dutschmann

Beim Ehekrach nicht cool bleiben

Was tun, wenn der Filius seinem älteren Herrn plötzlich ein unflätiges "Eeah, du alter W…er" entgegen schleudert. Völlig erregt, bebend vor Wut? Wie reagieren, wenn die berühmt-berüchtigte Truppe aus der Parallel-Klasse zugeschlagen hat, im schmerzlichen Sinne des Wortes? Oder wenn beim Ehekrach die Wogen hochschlagen? Antworten auf die Fragen gibt Andreas Dutschmann in seinem neuen dreibändigen Werk, das ein praxisorientiertes Aggressions-Bewältigungs-Programm gibt.
BEDBURG-HAU. Drei Bände hat der promovierte Psychologe von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau zur "Aggressivität und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen" heraus gegeben und seine Kenntnisse in der Aggressionsbewältigung zusammengefasst. "Hier sind persönliche Erfahrungen in der Arbeit, aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse eingeflossen, die auf neuesten Forschungsergebnissen beruhen", sagt Dutschmann, der für die Buchfolge auch mit der Universität Leipzig zusammangearbeitet hat. "Wir wollen für alle Anwender, vom Lehrer über den Betreuer einer Jugendgruppe bis hin zum Therapeuten und Professor einen Ratgeber schaffen, der handhabbar ist", sagt Dutschmann.
Anhand von Beispielen klassifiziert Dr. Dutschmann die Formen von Aggressivität. "Das fängt bei der cool angesetzten Gewalt an bis hin zur größten Erregung, bei der Leib und Leben gefährdet ist", so der Psychologe. Jedem dieser drei Typen hat er einen Band gewidmet – wobei die Grenzen zwischen den Typen durchaus fließend sein können. Oder aber der "coole" Typ A in den gefährlichen Typ C umschlägt. "Wir sprechen bei dieser Typisierung aber von Handlungen, nicht von Charakteren", sagt Dutschmann – schließt aber nicht aus, dass es Charaktere gibt, die zu emotional erregten Aggressionsausbrüchen eher neigen als andere. Der Band zu Typ C ist bereits erschienen, die Bände für den Typ A und B werden bald auf dem Markt sein.
Was also ist, wenn der Filius plötzlich den "Alten W…er" in seinem Wortschatz aufnimmt? Dann, rät Duschmann, würde er ihm erst mal sagen, dass er so alt ja noch nicht sei. "Ich reagiere also gelassen, beruhigend auf die Aggression. Schließlich ist es das Ziel des Jungen, dass ich mich aufrege", sagt er. Doch mit Gelassenheit liegt man nicht immer richtig. "Wenn ich beim Ehekrach den Coolen herauskehre, verstärke ich eher die Erregung des Gegenüber. Hier ist Emotion gefragt und die muss man auch einsetzten", so der Psychologe. Oder ein Beispiel aus der Schule: Man solle zunächst die Gewalt eindämmen, aber auch an die Rahmenbedingungen denken: "Warum ist die Klasse so unruhig – sind dort hyperkinetische Kinder, ist es die Gruppendynamik oder habe ich ein Autoritätsproblem?", sagt Dutschmann. Die grobe Richtung heißt also: verhindern steuern und neue Maßnahmen gegen die Aggression.
Praxisnah Die Beispiele im Buch sind so praxisnah, dass man nicht seinen Fall auf bestimmte Schemata abgleichen muss, sondern sich die Lösungsvorschläge erarbeiten kann.

RHEINISCHE POST, 19.01.2000

KOMMENTAR
AGGRESSION BEWÄLTIGEN

"Aggression und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen" - ein scheinbar unendliches Thema. Ein Thema, dem viele mir Hilflosigkeit gegenüber stehen, wo mancher einen Ratgeber sucht. Ein Ratgeber, der jetzt als erster Band einer dreibändigen Reihe vorliegt, die anderen werden in den nächsten Woche erscheinen. Ein Ratgeber, der aus der Zeit heraus nötig geworden ist? Wohl kaum. Gewalt hat es immer gegeben und wird es immer geben, wenn man ihr nicht entsprechend begegnet. Mit Dr. Dutschmanns Handbuch gibt es eine weitere Möglichkeit, ein Programm gegen Gewalt und vor allem gegen Aggression zu haben. Ein Programm, das sich auch mit jener scheinbar alltäglichen verbalen Gewalt auseinandersetzt und auch hier Lösungsvorschläge bieten möchte.

DJV-DEPESCHE, Sonderausgabe 1/2002

Informationen der WESTDEUTSCHER RUNDFUNK-Betriebesgruppe im Deutschen Journalisten Verband

Mobber-Typologie*
Die Täter
1. Machtmobber
Es handelt sich häufig um Vorgesetzte oder Personen, die auf Kosten des Opfers einen Machtgewinn erzielen möchten.
2. Neidmobber
Das Opfer wird attackiert, weil es Eigenschaften besitzt, die man selber gerne hätte.
3. Angstmobber
Das Opfer erinnert die Täter an eigene Unzulänglichkeiten, die ihr Selbstwertgefühl bedrohen.
4. Lustmobber
Diesen macht es einfach Spaß, andere zu schikanieren, zu intrigieren und für Aufregung zu sorgen.
5. Hühnerhofmobber
Gruppen neigen zur Aufstellung von Hackordnungen.
6. Herdenmobber
Durch Gruppendruck kann es zu Wahrnehmungsverzerrungen kommen, durch die das Opfer in einem schlechten Licht erscheint.
7. Edelmobber
Häufig handelt es sich um Helfer, die mangelnde Sachkunde mit erhöhtem Engagement zu kompensieren versuchen.

Ihre Verhaltensmuster
1. Der "freundliche" Mobber: Man traut ihnen Gemeinheiten nicht zu.
2. Der "korrekte" Mobber: Das Verhalten wirkt formal, durchaus höflich.
3. Der "emotionale" Mobber: Das Opfer ist böse, der Täter und andere sind gut.
4. Der "verrückte" Mobber: Er ist unberechenbar; man kann machen, was man will, es ist immer falsch.
5. Der "offene" Mobber: Dieser macht aus seinen Absichten keinen Hehl und kündigt seine Tat an.
6. Der "betroffenen" Mobber: Dieser glaubt wirklich daran, dass das Opfer böse ist.

*nach Diplom-Psychologe Dr. Andreas Dutschmann

REPORT PSYCHOLOGIE, April 2000

Trainingsmanuale
AGGRESSIONS-BEWÄLTIGUNGS-PROGRAMM

Aggression und Gewalt sind in letzter Zeit aufgrund vieler beunruhigender Ereignisse immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Besondere Sorgen bereitet die Entwicklung in manchen Gruppen von Kindern und Jugendlichen. Für einen raschen, gezielten und pädagogisch sinnvollen Umgang mit Aggressionshandlungen will das im dgvt-Verlag erscheinende Aggressions-Bewältigungs-Programm den Angehörigen aller relevanten Berufsgruppen eine möglichst große Zahl von Problemlösemöglichkeiten in die Hand geben. Schwerpunktmäßig geht es um die Bewältigung von akutem problematischen Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Es ist jedoch auch für den Umgang mit Erwachsenen brauchbar. Das Programm basiert im Wesentlichen auf einer Typologie von Aggressionen: A. Instrumentelle Aggression, B. Emotionstyp, C. Erregungstyp, und besteht aus drei entsprechenden Manualen, die von dem Diplom-Psychologen Dr. Andreas Dutschmann erarbeitet wurden. Das Manual für Typ C ist schon erschienen, die beiden anderen werden voraussichtlich im Mai d. J. vorliegen. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Psychologie der Universität Leipzig wurde das Programm bereits erfolgreich evaluiert. Dabei zeigt sich u. a., dass es bei allen relevanten Berufsgruppen auf hohe Akzeptanz trifft und die Anwender über einen deutlichen Zuwachs an subjektiver Handlungskompetenz berichten.