Wissenschaft und Ideologie

Wir beobachten mit Sorge, wie Wissenschaft und Ideologie nicht immer sauber voneinander getrennt werden. Das gilt insbesondere für Sozialwissenschaften. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich persönliche und gesellschaftliche Konflikte vertiefen, was zur Spaltung der Gesellschaft beitragen kann.

 

Wissenschaft und Ideologie sind nicht kompatibel

An einschlägige seriöse Publikationen sind in folgende Bedingungen zu knüpfen:

  1. Einhaltung wissenschaftlicher Standards, wie Objektivität etc. Es muss die Bereitschaft und die Befähigung bestehen, Thesen und Schlussfolgerungen ständig in Frage zu stellen.
  2. Weitgehende politische Neutralität, um die Instrumentalisierung durch politische Strömungen zu verhindern.

In der Praxis wird allerdings die Einhaltung dieser Prämissen oft gefährdet durch

 

Archaisches Denken, Wissenschaft und Ideologie

Wir verstehen unter archaischem „Denken“ kognitive Aktionen, die in allen menschlichen Epochen und bei allen Ethnien wirksam waren und sind. Sie haben engen Bezug zu entwicklungsgeschichtlich älteren Strukturen des Gehirnes. Dabei spielt das Limbische System eine bedeutsame Rolle. Es muss also angenommen werden, dass sie folglich biologisch im menschlichen Wesen verankert sind. Wir werden in einem speziellen Post versuchen, dies zu belegen (s. bis dahin Seite und Download Verzerrte Wahrnehmung korrigieren).

Der Begriff „archaisch“ könnte aber von „Sprachsensiblen“ als abwertend empfunden werden und zu reflexartigen, emotionalen  Abwehrreaktionen führen. Wir sind daher für andere zutreffende Begriffsvorschläge offen. 
Ausdrücklich ist deshalb zu betonen, dass mit der Bezeichnung „archaisch“ zunächst keine Wertung beabsichtigt ist. Das Limbische System hat sich in der Entwicklung der Menschheit in vielen Bereichen bewährt. Es war und ist demzufolge ein integraler und unverzichtbarer Bestandteil unserer Existenz.

Unsere Lebenssituation hat sich allerdings seit der prähistorischen Zeit wesentlich verändert. Was seinerzeit nützlich war, kann sich heute möglicherweise auch als problematisch oder schädlich/toxisch herausstellen.
Toxisches archaisches Denken spielt besonders im Zusammenhang mit Ideologien eine große Rolle. Viele der oft komplex und kompliziert anmutenden Ideensysteme werden in Wirklichkeit von archaischen Strukturen getragen. Überdies sind sie wesentliche Trigger für archaische Dynamiken. Das zeigt sich u.a. dadurch, dass Ideologien häufig stark mit auch destruktiven Emotionen verbunden sind. Für den „richtigen“ Glauben und für die „richtige“ Überzeugung war und ist man bereit, Konflikte zu produzieren, Andersdenkende abzuwerten, auszugrenzen, zu beleidigen und verheerende Kriege zu führen. Die Geschichte ist voll von Beispielen. Wissenschaft und Ideologie sollten deshalb sauber voneinander getrennt werden.

 

Ideologie Definition

Wir verstehen hier Ideologie als ein relativ umschlossenes System von durch eine Gruppe vertretenen Weltsicht, deren Grundannahmen nicht in Frage gestellt werden(dürfen). Ideologie favorisiert spezifische Wahrnehmungsmuster und Denkweisen bis hin zu Wahrnehmungsverzerrungen und Denkfehlern. In der Regel werden ideologiekonforme moralische Prinzipien und Werte mit einem positiven Framing ausgestattet und mit Nachdruck vertreten. (Framing s. Wikipedia).

Man sollte aber mit einer vorschnellen Wertung zurückhaltend sein und vermeiden jemanden reflexartig und pauschal als „Ideologen“ zu bewerten. Auch das wäre nach unserer Definition archaisch. Personen, die sich einer Ideologie oder Weltanschauung verbunden fühlen, können durchaus liebenswürdige, konstruktive und selbstkritische Menschen sein. Sie respektieren eine Vielfalt von auch konträren Meinungen, was ja eine Basis der Demokratie ist. Sie lehnen es ab, Andersdenkende oder Andersartige von vorneherein und undifferenziert abzuwerten und den konstruktiven Austausch mit Ihnen zu vermeiden. Sie konzentrieren sich in ihrer Kritik auf Argumente und nicht auf angebliche generelle Eigenschaften des Andersdenkenden.

 

Eigenschaften destruktiven archaischen Denkens

Diese Auflistung soll dazu dienen, „echte“ destruktive Ideologen zu identifizieren. Dies macht es leichter, sich ihnen gegenüber zu behaupten und sich ihren bewussten oder unbewussten Manipulationsversuchen zu widersetzen.
Sie könnte aber auch Selbstkritik anregen. Es erleichtert die Erkenntnis, dass man ggf. selbst in einem ideologischen Käfig, in einer kognitiven und emotionalen Blase gefangen ist. Möglicherweise bemerkt man, dass der Glaube, die eigene Überzeugung sei „fortschrittlich“ in Wirklichkeit eher archaischer Natur ist, also konservativer als konservativ. Das wäre natürlich eine narzisstische Kränkung, die nicht für jeden erträglich ist und deshalb gerne vermieden wird. Vermeidungsverhalten ist typisch für Archaik: man vermeidet Gedankenaustausch auf Augenhöhe, grenzt Andersdenkende aus, baut Mauern auf, etc. 

Das Thema ist komplex. Wir beschränken uns deshalb auf folgende typische destruktiven Eigenschaften archaischer Kognitionen. Diese haben auch eine Nähe zu totalitären Denkmustern:

  1. Gefühl eigener moralischer Überlegenheit. Dies zeigt sich z.B. in der Neigung, Andersdenken mit negativ besetzten Attributen zu belegen (Framing). Man selber und  Gleichgesinnte gehören zu den „Guten“.
  2. Neigung zu dichotomen-polarisierenden Wahrnehmen und Denken:
    Gut – böse
    Schwarz – weiß
    Dunkel-hell
    Entweder – oder
    etc.
  3. Die Überzeugung, dass solche Muster typisch für die gegnerische Position sind und man selbst davor gefeit ist.
  4. Aggressivität gegenüber Andersdenkenden und dadurch Neigung zum Aufbau von Feindbildern.
  5. Ideologiegeleitete Personen neigen häufig dazu, den eigenen Standpunkt als „fortschrittlich“ und positiv zu attribuieren (s.o.). Die Auffassungen der Andersdenkenden sind dagegen „überkommen“, „rückschrittlich“, „veraltet“, „patriarchalisch“, „altmodisch“, also schlecht. Letzteres kann im Einzelfalle stimmen, aber ebenso für „fortschrittliche“ Auffassungen, die sich oft als gefährliche Irrwege oder als destruktiv erweisen.
  6. Ideologiegeleitete Personen neigen häufig zu toxisch-destruktiven Kommunikationsmustern (s. Seite Toxische-destruktive Kommunikation vermeiden).

„Weiche“ Wissenschaften sind besonders gefährdet

Besonders in den sogenannten „Weichen Wissenschaften“, wie Psychologie, Sozialwissenschaften etc. besteht die Gefahr, dass Dogmen, ideologische Sicht- und Denkweisen die Suche nach Erkenntnissen destruktiv beeinflussen. Wissenschaft und Ideologie gehen hier bisweilen eine starke problematische Verbindung ein. Es werden Gedanken, Ideen, Befunde favorisiert, die das eigene Überzeugungssystem stützen. Widersprechende Befunde werden ignoriert, umgedeutet, negativ geframed etc. 
Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die methodischen Grundsätze und die Ethik wissenschaftlicher Arbeit.
Seriöse Wissenschaft fordert deshalb immer eine kritische Auseinandersetzung auch mit eigenen Ideen und Befunden.

Die Favorisierung einer ideologischen Position ohne seriöse und kritisch reflektierte Belege gehört nicht in eine wissenschaftliche Publikation oder in einen Diskurs.

Wie gegen dieses Prinzip oft verstoßen wird, demonstrieren wir in den nachfolgenden Blogs.
Als Insider wende ich mich zunächst der Psychologie zu.

Auswahl der Blogbeiträge zum Thema Wissenschaft ohne Ideologie (wird demnächst erweitert):

Psychotherapeutenjournal

Das Psychotherapeutenjournal ist das zentrale Organ der Psychotherapeuten in Deutschland. Hier wird untersucht, inwieweit es den Standards der Objektivität und der Wissenschaftlichkeit entspricht.

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